Adventkalender
 
 

10. Dezember

Mandorle in Gefahr

Bald ist Weihnachten. In der italienischen Backstube in Timelkam duftet es herrlich. Eigentlich ist es eine normale Bäckerei. Sie gehört einer italienischen Familie. Doch in der Weihnachtszeit verwandelt sich die Bäckerei in eine Weihnachtsküche. Es duftet nach Windgebäck und man kann den Duft von Zimtsternen deutlich riechen. Aber das Beste kommt noch. Denn dieses Jahr hat sich Paolo etwas Besonderes einfallen lassen. Paolo ist übrigens das einzige Kind der italienischen Familie. Ihn lassen die Eltern überlegen, was sie backen sollen. Dadurch gibt es jedes Jahr etwas Neues, und immer stehen viele Kunden bereit. Das Neueste in der Backstube ist die Lebkuchenfrau. Denn Paolo hat gesagt: „Mama, es gibt zu Weihnachten immer nur Lebkuchenmänner. Machen wir doch Lebkuchenfrauen!“

Und seitdem stehen Paolos Eltern nur mehr in der Küche und backen Lebkuchenfrauen. Einmal buk Paolos Mama eine besonders schöne Lebkuchenfrau. Sie war über und über mit Mandeln bedeckt. Die Augen waren aus Rosinen und der Mund aus rotem Marzipan. Die Haare waren aus Zitronen-Zuckerguss. Und weil Mandel auf Italienisch „Mandorle“ heißt, nannte Paolos Mama das Lebkuchenmädchen „Mandorle“.

„Ein Tablett ist fertig, Paolo!“, rief seine Mama nach einer Weile. Paolo kam und brachte es seinem Papa, der es gleich verkaufte. Auf diesem Tablett lag auch Mandorle. Der Papa griff nach ihr und wollte sie schon in die Auslage zum Verkaufen bereit legen, da erwachte die Lebkuchenfrau zum Leben. Mandorle legte den Kopf schief und biss ihn mit ihrem Marzipanmund in den Daumen. „Aua, Hilfe!“, brüllte er und ließ sie fallen. Gleich darauf bimmelte es, die Tür ging auf und ein neuer Kunde kam herein. Diesen Moment nutzte Mandorle aus und schlüpfte der alten Frau, die hereinkam, zwischen den Schuhen hindurch ins Freie. Das brachte die alte, gebrechliche Frau zum Stolpern und sie krachte in die Auslage.

„Gescha-„, weiter kam Mandorle nicht, denn da packte sie schon ein sehr dicker Junge und stopfte sie in seine Schultasche. Er ging Richtung Schule weiter. Aber er hatte die Schultasche nicht gut verschlossen, und als sie bei einem Wald vorbei gingen, hüpfte Mandorle aus der Schultasche hinaus. „Na, das ist ja eine Aufregung die ganze Zeit. Ich war richtig in Gefahr!“, schimpfte Mandorle. Sie stapfte im tiefen Schnee in den Wald hinein. Sie war ja nur aus Teig, also sank sie im Schnee nicht ein. Als sie ein Stückchen gegangen war, vernahm sie von fern ein großes und lautes Stimmengewirr. Sie fing zu laufen an und bald wurde es lauter. An einem Baum lief sie noch vorbei, dann sah sie das Schönste, was sie in ihrem kurzen Leben je gesehen hatte. Sie stand auf einem riesigen Marktplatz. Für uns ist er klein, aber für Mandorle schien er riesig. Es standen überall bunte Stände. Ihre Pfosten waren nicht aus Holz, sondern aus Zuckerstangen. Ihre Dächer waren aus Lakritze und es liefen die seltsamsten Geschöpfe der Welt herum.

Lebkuchenmänner und –frauen, Zucker- und Schokogussfiguren, Zimtsterngnome und Windgebäckelfen und vieles mehr. Mandorle war ins Bonbondorf gekommen. Hier lebten alle Süßigkeiten-Figuren, die entkommen waren, in Lebkuchenhäusern oder Kekshöhlen.

„Wenn du willst, kannst du bei mir wohnen.“, sagte ein Lebkuchenmann. Von da an lebte Mandorle im Bonbondorf in einem Lebkuchenhaus.

Und wenn sie nicht aufgegessen wurde, lebt sie heute noch dort!

 

 

Alisa